COVID-19 Pandemie und Allergien

Prof. Dr. med. Peter Schmid-Grendelmeier

Leiter der Allergiestation, Dermatologische Klinik, Universitätsspital Zürich Mitglied Scientific Board Christine-Kühne Center for Allergy Research and Education and Research Davos (CK-CARE)

Februar 5, 2021

Die COVID-19 Pandemie hat das Jahr 2020 geprägt wie kaum ein Ereignis zuvor in den letzten Jahrzehnten. Die Bedeutung dieser hinlänglich bekannten virusbedingten Erkrankung ist enorm, sowohl in gesundheitlicher wie auch gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht und auch durchaus auf globaler Stufe. Für Patienten mit Allergien haben sich dadurch einige besondere Aspekte ergeben, die im nachfolgenden kurz dargestellt werden sollen. Selbstverständlich gelten auch für Allergiker und betreuendes Personal die allgemeinen vom BAG-empfohlenen Verhaltensregeln (www.bag.admin.ch).

TESTEN ZUR ABGRENZUNG VON ALLERGIESYMPTOMEN ZU COVID-19 ERKRANKUNG

Patienten vor mit Pollenallergien leiden saisonal oft an Niesattacken, Kratzen im Hals und bei Beteiligung der unteren Atemwege auch an Husten und allen falls Atemnot – alles Symptome, die auch bei einer akuten Corona-Infektion auftreten können. Zum einen hilft die Anamnese, sind Pollinosebeschwerden doch oft auch schon in den letzten Jahren aufgetreten und verstärkt bei sonnigem, windigem Wetter.

Bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 sind oft Fieber und als sehr typisches Symptom ein plötzlicher Verlust des Geruch- und Geschmacksinns zu beobachten (in bis zu 50% der Fälle). Im Zweifelsfall ist daher sicher eine rasche und zuverlässige Testung auf das Corona-Virus (z. B. mittels PCR) sinnvoll, um sich diesbezüglich Klarheit zu verschaffen.

THERAPIE VON ALLERGIEN UND ASTHMA UND COVID-19

Die bisherigen Untersuchungen deuten darauf hin, dass Patienten mit vorbestehender Atemwegsallergie und auch bei einem gut eingestellten Asthma bronchiale an keinem erhöhten Risiko für einen schwereren Verlauf bei einer allfälligen Corona-Infektion leiden; diese gehören wohl somit nicht zu den eigentlichen Risikogruppen. Allerneueste Studien zeigen gar, dass günstige Effekte von hochdosierten inhalierten Kortison-Asthmasprays auf den Verlauf der COVID-19 Infektion haben kann und schwere Verkäufe verhindert respektive abgemildert werden können.

Bei einem schweren, schwierig zu behandelnden Asthma, bei dem unter Umständen sogar Kortison in Tabletten oder Spritzenform nötig ist, um Exazerbationen zu vermeiden, besteht wohl ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf einer allfälligen Infektion mit dem SARS-Co2-Virus. Falls Patienten wegen schwerem Asthma eine Therapie mit Biologika (etwa mit Benralizumab, Dupilumab, Mepolizumab oder Omalizumab durchführen, kann und soll diese nach bisherigen Erkenntnissen ebenfalls weitergeführt werden.

Zurückhaltung ist geboten mit dem Einsatz von systemischen Kortison Produkten oder eigentlich immunsuppressiver Medikamente (wie z.B. Cyclosporin, Azathiprim oder Methotrexat), da diese die Anfälligkeit respektive Komplikationen bei Corona-Infekt erhöhen könnten. In diesen Fällen ist mit dem behandelnden Arzt sinnvollerweise der Nutzen gegen allfällige Risiken abzuwägen.

MASKENTRAGEN FÜR ALLERGIKER

Das Tragen einer Schutzmaske mag unangenehm sein, vermindert aber die Sauerstoffzufuhr zu den Atemwegen nicht in einem messbaren Ausmass. Vor allem wenn die notwendige Distanz von 1.5 Meter in Innenräumen nicht eingehalten werden kann, ist das Tragen von Masken somit auch für Patienten mit behinderter Nasenatmung oder Asthma sinnvoll und möglich.

Zudem gibt es Hinweise, dass das Tragen einer Maske auch etwas vor der Pollenbelastung schützen kann. In einer neuen Studie wurde Gegenden, wo die Pollenbelastung sehr hoch ist, auch eine Häufung von SARS-Co-V2 Infektionen festgestellt, auch bei der breiten Bevölkerung, nicht nur bei von Pollenallergien Betroffenen. Dies wirft die Frage auf, ob Pollen auch Stoffe enthalten, die allenfalls für Viren der Atemwege empfindlicher machen.

DESENSIBILISIERUNG WÄHREND COVID-19-EINSCHRÄNKUNGEN

Eine bereits laufende allergenspezifische Immuntherapie/Desensibilisierung (SIT) v.a. mit Bienen- oder Wespengift soll, wenn immer möglich fortgesetzt werden. Auch eine SIT mit Inhalalationsallergenen (Pollen, Milben) kann fortgesetzt werden. In Lock down-Phasen können bei Injektionen (subkutaner Applikation) allenfalls die Injektionsabstände etwas verlängert werden, um die Arztbesuche etwas zu vermindern.

Im Falle einer manifesten Covid-19-Infektion hingegen sollte jegliche SIT wie auch bei sonstigen fieberhaften Infekten bis zur Abheilung in jedem Fall unterbrochen werden.

COVID-19-IMPFUNG UND ALLERGIEN

Viele Fragen sind auch aufgetaucht im Zusammenhang mit der Frage, ob Patienten mit Allergien sich mit den nun erhältlichen Impfstoffen gegen das Corona-Virus impfen lassen können. Hier kann erfreulicherweise festgehalten werden, dass die allermeisten Patienten mit Allergien die Impfung mit den aktuell erhältlichen Impfstoffen auf m-RNA-Basis (Pfizer und Moderna) ohne erhöhtes Risiko vornehmen lassen können.

Auch Patienten mit Nesselfieber können diese durchführen; hier ist allenfalls die vorbeugende Einnahme eines Antihistaminika sinnvoll. Lediglich wenn früher sehr schwere allergische Reaktionen auf Bestandteile dieser Impfstoffe mi Atemnot oder Schock etwa nach Abführmitteln oder Infusionen/Impfungen ohne erkennbaren Auslöser stattgefunden haben, ist eine fachärztliche allergologische Abklärung sinnvoll, da dann eine allerdings sehr seltene Allergie auf einen der Inhaltsstoffe (wie z.B. Polyethylenglykol PEG oder Tromethamin) vorliegen könnte.

Hautauschläge am Ort der Injektionsstelle oder am ganzen Körper nach einigen Tagen der COVID-19 Impfung treten leider gelegentlich auf; diese sprechen aber auf eine symptombezogene Behandlung meist gut an und erlauben auch eine allenfalls noch notwendige zweite Impfung. Heikle oder gar lebensgefährliche allergische Reaktionen auf die jetzigen COVID-19-Impfstoffe sind hingegen erfreulicherweise sehr selten (ca. 1 auf 50’000 bis 100’000 Geimpfte).

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