Medikamentöse Behandlungen

MEDIKAMENTÖSE BEHANDLUNGEN: WORUM HANDELT ES SICH?

Glücklicherweise existieren wirksame und sichere Medikamente für die Behandlung von Allergien, an denen fast 30% der Bevölkerung leiden. Eingesetzt werden vor allem Antihistaminika, Medikamente, die es ermöglichen, die allergische Entzündung zu beherrschen (Kortisonderivate zur lokalen Anwendung, Cromone und Antileukotriene) sowie Bronchodilatatoren gegen das Zusammenziehen der Bronchien bei Asthmatikern. Zur Erzielung einer optimalen Wirkung müssen diese verschiedenen Medikamente oft kombiniert angewendet werden.

WELCHE THERAPIEN WERDEN BENUTZT, UM ALLERGIEN ZU BEHANDELN?

Antihistaminika

Sie sind dazu bestimmt, das Histamin zu neutralisieren, indem sie in Konkurrenz treten mit dieser Substanz, die bei allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle spielt. Diese Medikamente existieren seit 1937, und diejenigen, die vor den 80- er Jahren kommerzialisiert wurden, die sogenannte 1. Generation, erwiesen sich von Anfang an als sehr wirksam. Ihre Anwendung war jedoch mit dem grossen Nachteil verbunden, dass sie eine gewisse Sedierung verursachen konnten, was insbesondere für Fahrzeuglenker beunruhigend war (eingeschränkte Fahrtauglichkeit, Schläfrigkeit). Im Verlauf der letzten25 Jahre sind Antihistaminika der 2. Generation auf den Markt gekommen, die praktisch keinerlei sedative Wirkung mehr haben.

Antihistaminika existieren in Form von Medikamenten, die entweder oral eingenommen (Tabletten, Sirup oder Tropfen) oder in topischer Form angewendet werden (Nasenspray oder Augentropfen). Sie werden nur selten in Form von Salben oder Gels benutzt, da diese selbst Kontaktallergien auslösen können. Oral einzunehmende Antihistaminika sind, sowohl bei Kindern ab 2 Jahren als auch bei Erwachsenen, sehr wirksam bei Rhinitis, Konjunktivitis (Augenbindehautentzündung) und Urtikaria (Nesselsucht). Bei Asthma hingegen nützen sie wenig. Oral einzunehmende Antihistaminika der 2. Generation können aufgrund ihrer ausgezeichneten Verträglichkeit über lange Zeit eingenommen werden. Sie sind preiswert, können je nach Bedarf eingesetzt werden, denn die Wirkung setzt nach etwa 30 Minuten ein und dauert im Allgemeinen 24 Stunden.

Bei Notfällen (z. B. Anfall von Nesselsucht) wird oft levocetirizin benutzt, wegen seiner raschen Wirkung. Antihistaminika verringern Juckreiz, Nasenfluss, Niesen und Tränenfluss. Sie sind weniger wirksam für die Verminderung der nasalen Obstruktion (Verstopfung der Nase) und in diesen Fällen haben gewisse Patienten leider Tendenz, die Anwendung rezeptfreier, gefässverrengender Nasentropfen zu übertreiben, die eigentlich zur Abschwellung und Desinfektion der Nase bei infektiösem Schupfen gedacht sind. Vorsicht ist geboten bei disen topischen Vasokonstriktoren, die, wenn sie langer als eine Woche lang benutzt werden, eine Irritation der Nasenschleimhaut oder eine Verschlimmerung der nasalen Obstruktion verursachen.

Antihistaminika-Nasensprays werden selten angewendet, denn sie sind weniger wirksam als Kortikoidsprays. Seit 2012 gibt es jedoch ein Nasenspray, das ein Antihistaminikum mit einem topischen Kortikoid kombiniert und bei starker Rhinitis Wirkung gezeigt hat, die auf ein topisches Kortikoidspray nicht ausreichend anspricht. Hierbei gilt zu beachten, dass ein einfaches Nasenreinigungssprays mit Salzwasser vor der Anwendung von Sprays mit medikamentösen Wirkstoffen nützlich sein kann, besonders bei Verkrustungen, damit die Medikamente besser aufgenommen werden können. Hingegen werden Antihistaminika- Augentropfen sehr geschätzt, denn sie wirken sehr rasch und verringern die Symptome der Konjunktivitis schon nach wenigen Minuten. Trotzdem sollten sie nicht länger als 6 Wochen lang täglich benutzt werden, denn bei längerer Anwendung können sie Augentrockenheit verursachen.

Während der Schwangerschaft, werden wenn möglich Antihistaminika in topischer Form verschrieben. Antihistaminika der 2. Generation wie cetirizin und levocetirizin, loratadin und desloratadin, können benutzt werden, denn man weiss, dass sie nie Fötusmissbildungen verursacht haben. Die Antihistaminika der 2. Generation werden vor allem verschrieben, wenn Antihistaminika der 1. Generation eine zu starke Sedierung zur Folge haben. Während des Stillens können nur Antihistaminika der 2. Generation verschrieben werden, dies in einer gemässigten Dosis da ein kleiner Teil der Antihistaminika in die Muttermilch gelangt.

Seit dem Frühjahr 2003 ist ein CO2-Extrakt aus den Blättern der Pestwurz ‘‘Petasites hybridus’’ zur Behandlung der allergischen Rhinitis zugelassen. Einige Studien zeigen, dass diese Pflanze antiallergische Eigenschaften besitzt, die jenen von klassischen Antihistaminika ähneln. Dieses Medikament wird von Patienten geschätzt, die auf natürliche Therapien setzen.

Wie bei einigen Medikamenten auf Pflanzenbasis kann das Risiko einer toxischen Wirkung auf die Leber jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, da die Wurzeln der Pestwurz toxische Alkaloide enthalten, die in den Blättern, welche zur Extrahierung dieses Medikaments verwendet werden, nicht enthalten sind. Daher wird schwangeren und stillenden Frauen von dieser Behandlung abgeraten.

Cromonen

Diese Medikamente werden lokal vor allem in Form von Augentropfen sowie Nasenund Bronchialsprays verwendet. Sie sind sehr gut verträglich und haben praktisch keine Nebenwirkungen, müssen jedoch mehrmals täglich angewendet werden, um einen optimalen Effekt zu erzielen. Ausserdem sind sie bei Rhinitis und Asthma deutlich weniger wirksam als topische Kortikoide. Deshalb benutzt man sie bei diesen letzten beiden Indikationen vor allem bei Kindern, um nicht topische Kortikoide benutzen zu müssen. Dagegen werden sie häufig verschrieben, um Konjunktivitissymptome sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zu mindern, da topische Kortikoide nur mit grosser Vorsicht im Auge angewendet werden können.

Kortisonderivate für die lokale Anwendung

Diese Medikamente, die in flüssiger Form oder als trockenes Inhalationspulver verschrieben werden, sind die wirksamste Behandlung, um die mit allergischer Rhinitis und Asthma verbundene Entzündung zu kontrollieren. Sie können zur Besserung aller Symptome dieser beiden Krankheiten beitragen. Bei diesen Indikationen haben sie sehr wenige Nebenwirkungen, wenn die empfohlenen Dosierung eingehalten wird, was besonders bei Kleinkindern wichtig ist, um deren Wachstum zu schützen. Sie können auch schwangeren Frauen verschrieben werden. Ist es notwendig, sie in starken Dosen über längere Zeit einzusetzen, dürfen sie niemals abrupt abgesetzt werden, denn dann besteht, vor allem bei Kindern, das Risiko einer Nebenniereninsuffizienz.

Ihre Anwendung in Form von Augentropfen ist heikel und bedingt eine Kontrolle durch den Augenarzt. So ist z. B. Hornhautherpes eine strikte Kontraindikation für eine solche Behandlung. Ausserdem erhöht die langfristige Anwendung von Augentropfen auf Kortisonbasis das Risiko, an grünem oder grauem Star zu erkranken.

Topische Kortikoide sind bei Rhinitis und Asthma so wirksam, dass Kortison zur oralen Anwendung glücklicherweise selten verschrieben werden muss. Von intramuskulären Injektionen wird strengstens abgeraten, insbesondere bei Heuschnupfen, denn der Umstand, dass der gesamte Organismus während mehr als 6 Wochen mit einer nicht unbedeutenden Dosis Kortison «versorgt» wird, ist nicht ohne Nebenwirkungen. Umso mehr, als wir hier manchmal längere Regenperioden haben, die allein dem Patienten schon Linderung verschaffen: in diesen Fällen wäre die Depotinjektion überflüssig gewesen!

Für Hautallergien (vor allem Ekzeme) schliesslich, wenn Cremes auf Feuchtigkeitsbasis nicht ausreichen, benutzt man für eine kurze Dauer (ca. eine Woche, dann in regressiver Dosierung, bei erneutem Schub wiederholen) Kortisonderivate in Form von Cremen, Pomaden oder Salben. Es ist, insbesondere bei Kindern wichtig, das vorgeschrieben Verabreichungsschema sowie die Dauer der vom Arzt empfohlenen Behandlung einzuhalten, da das auf der Haut aufgetragene Kortison zu einer Hautatrophie führen kann (vor allem im Gesicht).

Antileukotriene

Seit einigen Jahren stehen Medikamente (Tabletten) zur Verfügung, die in der Lage sind die Freisetzung der Leukotriene im Organismus zu verringern. Leukotriene sind Substanzen, welche die Entzündung der Schleimhäute der Atemwege lindern können, deshalb werden diese Medikamente hauptsächlich bei Asthmatikern benutzt. Sie sind weniger wirksam als topische Kortikoide, mit denen sie häufig kombiniert werden, da so im Allgemeinen eine Reduzierung der Dosis möglich ist. Alleine benutzt man sie vor allem bei leichtem Asthma, insbesondere bei Anstrengungsasthma, seltener bei obstruktiver allergischer Rhinitis. Sie sind sehr gut verträglich und montelukast kann auch Kleinkindern ab 6 Monaten verabreicht werden.

Bronchodilatatoren

Bezüglich des Asthmas sollten noch die Bronchodilatatoren (Sprays oder Inhalationspulver) erwähnt werden, welche die Bronchien öffnen, indem sie deren Muskeln lockern und es so ermöglichen, einen Asthmaanfall rasch «zu stoppen». Ihre rasche Wirkungsweise (einige Minuten) hat sie sehr beliebt gemacht. Diese Medikamente haben jedoch, wenn sie alleine benutzt werden, keine Auswirkung auf den Zustand der Entzündung der Bronchialschleimhaut. Deshalb ist es, wenn ein Patient seinen Bronchodilatator mehr als 2 Mal pro Wochen einsetzen muss, notwendig, eine tägliche Behandlung mit topischen Kortikoiden.

Schweres Asthma

In seltenen Fällen schlägt die Behandlung von allergischem Asthma mit den verschiedenen genannten Medikamenten nicht an. Daher ist es möglich, die Behandlung mit Injektionen von monoklonalen Antikörpern zu ergänzen, die die Antikörper der Allergie binden können, um sie zu blockieren. Diese sehr teuren Medikamente können jedoch nur von Spezialisten verschrieben werden, nach einer detaillierten Abklärung in Bezug auf die Schwere des Asthmas und seiner Eigenschaften.

WIE WERDEN DIESE BEHANDLUNGEN ANGEWENDET?

Bei einem Patienten mit einer leichten Rhino-Konjunktivitis wird bei Bedarf ein oral einzunehmendes Antihistaminikum der 2. Generation vorgeschlagen, da diese preiswerten Medikamente bei Rhinitis und Konjunktivitis in weniger als einer Stunde zu wirken beginnen. Sollte sich dies als ungenügend erweisen, vervollständigt man die Behandlung bei Augenirritationen mit Augentropfen (Cromonen und/oder antihistaminika) und bei Rhinitis mit topischen Kortikoiden für die Nase. In diesem Fall muss das Medikament regelmässig eingenommen werden, um der Entzündung der Nasenschleimhaut Einhalt zu gebieten.

Bei Asthma wird ein Bronchodilatator nur als einziges Medikament beschrieben, wenn die Anfälle nicht sehr häufig sind (weniger als 2 pro Woche), sonst muss eine regelmässige Basisbehandlung mit topischen Kortikoiden, und/oder Antileukotrienen gemacht werden. Diese Basismedikamente werden zusammen mit Bronchodilatatoren eingesetzt, was ihre Wirksamkeit erhöht. Bei Hautallergien schliesslich verringern die oral einzunehmenden Antihistaminika den Juckreiz, sowohl bei Ekzemen als auch bei Nesselsucht. Bei Ekzemen ist es wichtig, die Haut täglich mit Basissalben zu befeuchten. Erweist sich dies als ungenügend, benutzt man, für eine befristete Dauer und gemäss Anweisung des Arztes, Salben auf Kortisonbasis.

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