KONTAKTALLERGIE DURCH IN INDUSTRIE UND KOSMETIKA VERWENDETE KONSERVIERUNGSTOFFE

Dr. Philipp Spring

Epalinges medizinisches Zentrum und Abteilung für Dematologie der CHUV, Lausanne

Mai 11, 2021

Da Kosmetika ein komplexes Stoffgemisch sein können, ist es unvermeidlich, dass einige von ihnen Allergien gegen bestimmte Personen auslösen. Symptome einer Kosmetikallergie können nach der Verwendung eines neuen Kosmetikprodukts auftreten oder sogar, wenn Sie eines seit Jahren ohne Probleme verwenden. Eine Art von Reaktion ist eine Schädigung Ihrer Haut, die dann brennen, jucken, stechen und rot werden kann. Die zweite Art von Reaktion wird durch Ihr Immunsystem ausgelöst und kann Schwellungen, Rötungen und Juckreiz verursachen. Beide klingen ziemlich ähnlich und sind schwer zu unterscheiden, sie können sogar eine Kombination aus beiden sein! Um eine Kosmetikallergie zu vermeiden, können Sie versuchen, ein Produkt zu testen, indem Sie es auf eine kleine Körperstelle auftragen und es bis zu 72 Stunden einwirken lassen, um zu überprüfen, ob Sie eine Reaktion bekommen. Wenn du Duftstoffe verwendest, trage sie auf deine Kleidung auf, nicht auf deine Haut. Sie können sogar nach Produkten mit möglichst wenigen Inhaltsstoffen suchen und so das Risiko reduzieren.

Möchten Sie mehr wissen? Lesen Sie unten den Artikel von Dr. Philipp Spring.

EINLEITUNG

Konservierungsstoffe sind neben den Duftstoffmischungen die Allergene, die nach der äusseren Anwendung eines Produkts am häufigsten für allergische Kontaktekzeme verantwortlich sind. Konservierungsstoffe finden nicht nur in der Industrie (Kühlmittel, Reinigungsmittel) Anwendung, sie sind insbesondere auch in Kosmetika enthalten. Wegen ihrer in den letzten Jahren entdeckten, allergieauslösenden Merkmale wurden gewisse Substanzen bereits von den Gesundheitsbehörden genauer unter die Lupe genommen.

WAS VERSTEHT MAN UNTER KONSERVIERUNGSSTOFFEN?

Es handelt sich um ein Molekül, das einem entweder industriellen oder kosmetischen Produkt beigefügt wird, um dessen natürlichen (physischen oder chemischen) Zerfall zu verhindern. Manche Konservierungsstoffe sind antimikrobiell (antibakteriell, fungizid), andere wiederum echte Antioxidantien. Sie sind zudem auch in Medikamenten und Lebensmitteln enthalten. Gewisse finden sich auch in natürlichem Zustand in Obst oder Pflanzen.

WAS GESCHIEHT BEI EINER ALLERGIE AUF KONSERVIERUNGSSTOFFE?

Die Anwendung dieser chemischen Substanzen auf der Haut führt zu einer «Sensibilisierung». Das Immunsystem Haut nimmt das Molekül als externen Angreifer wahr und konditioniert sich schrittweise dagegen. In diesem Fall wird die Substanz als «allergen» bezeichnet. Wie bei einer Nickel-Allergie kommt es bei den Konservierungsstoffen zu einer immunologischen Reaktion in den Zellen, also zu einer verzögerten (retardierten) Reaktion mit einer klonalen Multiplikation der T-Lymphzellen in den Lymphknoten. In der Folge ruft eine immer kleinere Allergenkonzentration eine immer heftigere Entzündung der Haut hervor: das ist das sogenannte allergische Kontaktekzem. Es ist nicht tödlich wie ein anaphylaktischer Schock, bei dem es sich um eine Sofortreaktion handelt, aber dennoch stark beeinträchtigend. Meist betrifft es die Hände, Regionen in Gesicht und Dekolleté (Industrieprodukte, Cremes) oder die Ohren und die Kopfhaut (Haarsprays, Haarlacke, Shampoo).

Eine Allergie ist also das Risiko, eine «Sensibilisierung» gegenüber einem Produkt zu entwickeln, die mit der Anwendungshäufigkeit des Produkts zusammenhängt. Der Konsument ist umso exponierter, je allgegenwärtiger die Substanz ist. Aus diesem Grund hat die wissenschaftliche Literatur einen Quotient (SEQ= Sensitization Exposure Quotient) festgelegt. Je höher der Quotient, desto höher das Risiko. In Lebensmitteln und Medikamenten vorhandene Konservierungsstoffe stellen nicht das gleiche allergologische Problem dar, denn es ist die äussere Anwendung, die ein Ekzem auslöst.

WELCHE DIAGNOSTISCHEN ABKLÄRUNGEN SIND NÖTIG?

Um dem Patienten dabei zu helfen, das Produkt zu identifizieren, das das Ekzem verursacht, ist ein Epikutantest indiziert. Die verdächtigen Substanzen werden auf den Rücken des Patienten aufgetragen und für 48 Stunden fixiert. Danach kommt es zur ersten Ablesung. Nach weiteren 48 Stunden erfolgt eine zweite Ablesung durch den Facharzt, der die allergische Reaktion ermittelt. Treten nach 96 Stunden erythematische, vesikuläre oder manchmal nässende Läsionen auf, so wird das Resultat als positiv interpretiert. Gleichzeitig wird auf die Standardreihe der klassischen Allergene Nickel, Kobalt oder Bichromat getestet, um eine Duftstoffallergie auszuschliessen. Die Testreihe der Konservierungsstoffe wird regelmässig aktualisiert.

WIE SIEHT DIE THERAPIE AUS?

Ist das Allergen einmal identifiziert, muss es der Patient gewissenhaft ausschliessen. Er muss auf der Verpackung prüfen, ob der ermittelte Auslöser im Produkt vorhanden ist. Dies kann er mithilfe des Allergiepasses und des Informationsblatts tun, die er vom Facharzt erhalten hat. Wird der Erreger konsequent ausgeschlossen, verschwindet das Ekzem nach einigen Wochen. Die lokale Anwendung von Corticosteroiden der Gruppe I/II im Gesicht und im Genitalbereich sowie der Gruppe III/IV am restlichen Körper ermöglicht eine schnellere Heilung.

KONTAKTALLERGIE-EPIDEMIE GEGEN METHYLISOTHIAZOLINON

Seit Beginn der 2000er-Jahre wird das konservierende Biozid Methylisothiazolinon (MI) als Ersatz für die weitgehend verteufelten Parabene verwendet. Letztere haben jedoch ein sehr geringes allergenes Potenzial. Die Fälle von Isothiazolinon Kontaktallergien sind sowohl im kosmetischen als auch im beruflichen Bereich, sind in allen europäischen Ländern drastisch angestiegen. Es handelt sich um eine wahre Epidemie, über die die für die Cosmetovigilance zuständigen Stellen jedoch zunehmend die Kontrolle gewinnen. Seit 2017 gibt es ein europäisches Gesetz, das eine kostemtische Konzentration von 15 ppm (gering) für Rinse-off-Produkte und ein totales Verbot für Produkte, die auf der Haut verbleiben, vorschreibt.

HAUTGEFÜHL

Sobald die kalte Jahreszeit Einzug hält, kann Ihr Kind ein unangenehmes Spannungsgefühl der Enge an Lippen, Armen, Bauch, Flanken oder Oberschenkeln spüren. Sie werden dann rote Flecken entdecken, die von Bereichen trockener Haut umgeben sind. Dieses Ekzem tritt am häufigsten bei atopischen Kindern auf (trockene Haut, Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen). Der damit verbundene Juckreiz verursacht Ekzeme durch Kratzen mit möglichen Bakterien- und Herpesinfektionen. Dieser Teufelskreis macht Nächte für die ganze Familie unangenehm.

HIER SIND 10 PRAKTISCHE TIPPS ZUR OPTIMIERUNG DES HAUTGEFÜHLS:

• Kurze Bäder mit lauwarmem Wasser

• Vermeiden Sie Seifen, stark duftende und schäumende Shampoos

• Verwenden Sie nur sanfte Waschcremes und Badeöle

• Nach längeren Aufenthalten im Wasser wie z.B. im Schwimmbad/ Thermalbad (Chlorwasser) oder nach einem längeren Bad tragen Sie je nach trockenheitsgrad eine Bodylotion, Creme oder Balsam auf

• Reduzieren Sie die den Einsatz von Waschpulver auf ein Minimum und verzichten Sie auf Weichspüler

• Vermeiden Sie synthetische Kleidung, Wolle, bevorzugen Sie Baumwolle

• Bei Babys und Kleinkindern empfehlt es sich, den Babybody/Anziehbody umgedreht anzuziehen (Reizung durch Nähte vermeiden)

• Nachts Pyjama tragen (Verlust von trans-epidermalem Wasser vermeiden)

• Halten Sie das Schlafzimmer kühl

• Sorgen Sie für ein ausgeglichenes Klima in der Familie, um Kinder nich zusätzlich zu belasten Wenn sich die Situation trotz dieser Maßnahmen nicht verbessert oder sogar verschlechtert, zögern Sie nicht, sich von einem Dermatologen beraten zu lassen.

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