«Jammern Sie nicht mehr über Ihren Ballenzeh, meine Damen»

Dr. Rayan Baalbaki

Spezialist für Fußchirurgie, Clinique de Montchoisi, Lausanne

Juni 4, 2021

Leiden nützt nichts! Kommen Sie lieber in die Praxis!

Absätze sind ein wesentlicher Bestandteil der weiblichen Garderobe. Aber verursachen Fersen jenseits des Aussehens wirklich Deformitäten des Fußes, Hallux Valgus oder häufiger Ballen genannt? Treffen mit Dr. Rayan Baalbaki, Spezialist für Fußchirurgie an der Clinique de Montchoisi in Lausanne.

Was ist ein Hallux valgus?

Es handelt sich hier um eine langsame, fortschreitende Deformität des Großzehs, besser bekannt als «Ballenzeh». Diese Fehlstellung kommt bei Frauen wesentlich häufiger vor als bei Männern: Im Allgemeinen kommen auf einen Mann mit Ballenzeh neun Frauen.

Hat es mit dem Alter zu tun?

Es gibt zwei Typen des Hallux valgus: den juvenilen, eher konstitutionellen Typ, der während des Wachstums bis zur Adoleszenz auftritt, und den degenerativen Hallux valgus, der am häufigsten bei Erwachsenen auftritt. Es stimmt also: Genau wie die Arthrose entwickelt sich der Hallux valgus tendenziell mit dem Alter und der Alterung der osteoartikulären Strukturen.
Es gibt jedoch keine eigentliche Altersgrenze oder Deformitätsgrenze – klein oder groß – für eine Operation. Es muss eine Behandlung à la carte sein, angepasst an den einzelnen Patienten, entsprechend seinen Erwartungen, seiner Lebensqualität, seinen funktionellen Anforderungen, seinen Komorbiditäten usw.

Haben Schuhabsätze einen direkten Einfluss auf die Halluxvalgus- Deformität des Fußes?

Sicherlich können eng anliegende, schmale, spitz zulaufende Schuhe und Absätze bei einer entsprechenden Veranlagung die Fehlstellung verstärken. Jedoch bekommen viele Frauen, die täglich Stöckelschuhe tragen, niemals Hallux valgus. Wir haben es hier mit einem multifaktoriellen Ursprung zu tun, bei dem ein prädisponierender genetischer Faktor mitspielt (z. B. ägyptische Füße: der Großzeh ist länger als der zweite Zeh; Plattfüße, Bänderhyperlaxität usw.). Frauen sollten sich also nicht schuldig fühlen, weil sie hohe Absätze tragen.

Kann man dem Hallux valgus vorbeugen und ihn vermeiden?

Und wenn ja, wie? Ja, auf jeden Fall. Wenn Sie eine entsprechende Veranlagung haben und die Fehlstellung sich allmählich entwickelt, müssen Sie als erstes die Schuhe anpassen. Ich sage meinen Patienten immer, dass es einfacher ist, den Schuh an den Fuß anzupassen als den Fuß an den Schuh. Es ist daher empfehlenswert, weite, bequeme Schuhe zu tragen, idealerweise mit einer orthopädischen Maßeinlage vom Podologen oder Orthopädieschuhmacher. Es gibt auch Zwischenzehen-Orthesen, die zwischen die Zehen gelegt werden, damit sie sich nicht überkreuzen.

Wann ist eine Operation nötig?

Eine Chirurgie ist angezeigt und empfehlenswert bei Deformatäten, die täglich belästigend sind. Tatsächlich beobachten manche Frauen trotz angepasster Schuhe und maßgeschneiderter Sohlen eine Zunahme ihrer Deformität oder eine Behinderung durch Schmerzen. In diesen Fällen wird empfohlen, nicht abzuwarten, bis sich die Deformität verstärkt und verschlimmert, sondern sich einer chirurgischen Behandlung zu unterziehen.

Wie sieht ein Eingriff aus?

Es gibt zwei Haupttypen von Operationen: Das älteste, traditionelle Operationsverfahren ist offen, jedoch setzt sich seit Anfang der 2000er Jahre die gewebeschonendere perkutane oder minimalinvasive Chirurgie (MIS, engl. Abk. für Minimal Invasive Surgery) nach und nach durch.
Man kann sogar von einer «neuen Welle» sprechen, die durch die Welt der Fuß- und Sprunggelenkschirurgie fegt. «Der Tsunami» der perkutanen Chirurgie.
Es sei darauf hingewiesen, dass die perkutane Chirurgie nach wie vor schwierig ist und eine spezielle Ausbildung erfordert, da Knochen- und Sehneneingriffe durch millimetergroße Hautschnitte durchgeführt werden.
Mit diesen neuen Techniken verbinden sich zahlreiche Vorteile: Die Operationszeit ist kürzer, die Chirurgie ist weniger aggressiv, Narben sind fast nicht wahrnehmbar (minimal) und die Patienten haben viel weniger Schmerzen oder gar keine (in fast 20 % der Fälle). Aber Vorsicht, die Schmerzschwelle ist bei jedem Menschen anders.
Da also die Aggression am Gewebe reduziert ist, erholen sich die Patienten schneller: Sie können direkt nach der OP mit einem speziellen orthopädischen Schuh gehen, den sie vier bis sechs Wochen tragen müssen.
Eine gründliche postoperative Nachbehandlung ist von höchster Bedeutung für eine günstige Entwicklung.

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